stattkatze.de

[living by numbers]

Winter

Snow can wait, I forgot my mittens
Wipe my nose, get my new boots on
I get a little warm in my heart when I think of winter
I put my hand in my father’s glove.

One day I may stop playing this particular version of this song. Or grow out of your old, black, velvety jumper. Not this year, though.

Antidotes, spiralling

The map of my world gets smaller as I sit here
Pulling at the loose threads
Now we’re tumbling down
We’re spiralling
Tied up to the ground
We’re spiralling
When we fall in love
We’re just falling
In love with ourselves

[Keane, Spiralling, Perfect Symmetry/2008]

09-IMG_6855Zwei Paniktage und zwei Nächte. Es blutet wieder, wo nichts mehr bluten dürfte, weil da nichts mehr ist.

Phantomblut und ein roter Mond und ein Jahrestag.

Als hätte ich es so beschworen. Als hätte ich es so gemacht. Als hätte ich es so gewollt. Ich bin schuld. Ich schließe und öffne mein Netz im Viertelstundentakt. Immer noch.

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Körper sind erfindungsreich, sage ich immer zu ihnen, wenn ihre zappeln vor Angst. Meiner scheint es drauf anzulegen, mir einen Schritt voraus zu sein. Aufwachen und nicht mehr wissen, ob man das Blut nur geträumt hat, weil sich jetzt alles jährt. Das Netz. Die Liebe. Der Tod. Das Leben. Ich würde dieses Jahr so gerne überspringen.

Aber Closure geht nur so. Schritt für Schritt am Abgrund entlang. Bis man nicht mehr tiefer fallen kann.

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Two steps forward, one step back. Spirals, dear, never circles.

Irgendwo liegt dazu eine Geschichte. Mein Blade Runner Raw Feed. Teile davon sind wunderbar. Der Rest ist Dreck, ist Müll. Ich müsste, sollte … aber wozu? Ich grabe nichts mehr aus, an das ich mich nicht vollständig erinnern kann.

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Vielleicht war es das, was die Blogs so richtig gemacht hatte. Schreiben. Verschenken. Online editieren. Und zur Hölle mit allem anderen: mit Strukturen, Kapiteln, aller Ordnung. Jeder Tag ein Text. Jeder Text eine Lichtkapsel.

Lass doch das Netz sich selber ordnen.

Ein tag sie zu finden. #available_light

Es war einmal alles so einfach. Träumen. Aufwachen. Lächeln. Schreiben. Weinen.

Tausend Texte später ist jedes Wort ein Stein um den Hals. Eine Aufgabe. Hätte. Sollte. Müsste.

Und das Netz schon so lange keins mehr.

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Ich träume wie früher und weiß nicht, ob ich noch wach bin.

Angst ist fast so erfindungsreich wie Körper. Zusammen sind sie unschlagbar.

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Und dann ist es nur, weil jetzt alles anders wird, weil wir alt werden, weil nichts bleibt, wie es ist.

Wir werden zu dem Papier, dem wir uns einst hauchdünn verschrieben haben. Der Schmerz, der uns zertrennt, ist Teil von allem. Nichts Neues. Wir werden immer bluten. Aus einem unserer Herzen.
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Rosen- und Mandelöl. Mehr braucht es nicht, sagt die Ärztin. Es fehlt nur an Geschmeidigkeit. Damit kann ich leben.

Eines Tages kann ich vielleicht auch wieder Sätze bilden ohne ein Ich.

Black and White and Blue

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Wir zählen die Jahre schon lange nicht mehr. Nur noch die Tage, die uns bleiben. Aber dies ist das Jahr der Zahlen und Zeichen. Das Kalenderjahr. Dieses Jahr gilt es zu zähmen.

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Wir lassen die Vergangenheit, wo sie ist. Bei uns am Tisch, im Blauen BandWeißt du noch?

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Once or twice a month. Soviel Musik muss sein.

»Synchronized, like magic, good friends you and me.«

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Und ich zähle bis drei, damit alles seine Richtigkeit hat. Denn in der Richtigkeit fahren die Schiffe hinaus aufs Meer und kommen niemals zurück. So erzählen sie es sich am Wasser und sie sind fünf und wissen um alle Geheimnisse der Welt.

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Sind Sie wieder hier?, fragen sie manchmal, als ob man noch einen Platz hätte, hier. Auch die neuen Gesichter fügen sich ein. Galerie der Gewohnheiten. Dass alte Passwort gilt noch immer.

»Swapping stories.«

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Der Kater weiß nicht, dass ich ihn kenne, er weiß nicht, dass er ein Centerfold ist, eine Illustration, eine Vignette, er weiß nicht, für wen. Ich hätte besser recherchieren sollen, damals, uns nicht verschenken. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist nur das Bild, der Schnee. Das Licht in diesem Winter, das du mit deinen Pfoten machtest. My on-off star. 

»Watching it run like a movie.«

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Er weiß nicht, mit wem ich hier gesessen habe, diesen winzigen Finger in meiner Faust, diese ruhige Stimme neben mir. All eure ruhigen Stimmen hier. Das Interview, als ich noch dachte, ich bin ein Buch. Nichts davon ist mehr wichtig außer euren Stimmen. Niemand hier hat jemals Aufregung verursacht bis auf eine, in dieser Büchnernacht der Unruhe, mit dem Preisträger, hier, an genau diesem Tisch. Ich glaube, ich habe ihm Geld dagelassen. Geld gegen Ruhe. Auch so ein Zeichen.

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Die Abschiede von der Stadt. Später. Von allem. Die Gespräche.

Meine Krähen immer auf der anderen Seite der Spiegel.

Als ob man sich nur hier hat sehen können und im Netz. Überall sonst waren wir so viel weniger real. Überall sonst waren es die falschen Fäden. Hier haben wir uns getroffen, vor zehn Jahren, als ich krank wurde und du mir Mut machtest. Hier treffen wir uns immer noch. Eines Tages, hast du mir versprochen, vergesse ich es. Darauf warte ich. Auf den einen Tag, an dem ich nicht nur die Spritzen vergesse und mich.

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Verlorenes Wohnzimmer. Verlorenes Netz. Verlorene Fäden.

Ich finde das alte Halten und Tragen nicht mehr und mich in all dem Gerausche.

Damals war es so einfach, das Vor-sich-hin-Denken.

Voices carry. Das war unser Credo.

»But now it’s cloak and dagger.«

Damals waren wir einfach nur Text und Musik. Weißt du noch?

»Every particle of difference gets like mountains in our eyes. You say: You’re unscrupulous! You say: You’re naive!«

Das andauernde Überleben und Besser-Schweigen verwirrt mich zusehends.

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Aber ich bin immer noch so dankbar für die frühen Jahre mit euch.

Für jede Stimme. Für jedes Du.

An euch überlebe ich. Noch immer.

»No blame for what we can and can’t control.«

But then, Paeon, dear – we always loved you best

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Der Neid eines Gottes macht uns zu Geschichten.

Der Neid eines Gottes erst macht uns unsterblich.

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Päonie, ach singe, Schmerzbetörende, du mir vom Zorne des Heilers.

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Es ist einer dieser Tage, an denen man weint ohne Grund und Götter.

Später wird es regnen. Jeder erste, schwere Tropfen eine Katzenpfote.

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Ein Grund mehr. Ich weine um sieben Leben.

Schnittblumen, sagte ich verächtlich, als ich noch ein Garten war.

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Totes Getier.

Ich bin verliebt in totes Getier.

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Die Toten ändern dich.

Ein toter Igel im Eulenverhau. Und alles ist gut.

Ein toter Igel auf der Straße. Und nichts ist gut und der Himmel über dem Hafen noch immer die falsche Farbe.

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Wie oft wiederholen wir uns und wann und warum? Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines toten Eichhörnchens.

Warum ist nicht jedes Wort ein sicherer Hafen?

Und ich weine [vermutlich, sicher, warum auch sonst] einer toten Farbe wegen und um früher und morgen, um dich und mich und einen Garten [und ist es denn überhaupt der Garten?, –  denn ich habe ja nie mehr geweint, als damals, im Garten] und vielleicht ist es doch nur das Meer und meine Wörter und weil es rechts schon wieder schmerzt, da, wo der letzte Rest Leben, wo das letzte bisschen Ich sitzt, was sie jetzt noch ausschneiden könnten, bevor ich mich vollends auflöse; außer dem Herzen, dem Meer.

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[Es ist nichts. Es ist nicht. Es ist nichts. – Es ist nur ein toter Igel. Ich hätte nur nicht schreiben dürfen, vor ein paar Tagen, wie letztes Jahr, wie immer um diese Zeit: Alles ist gut. Das Schreiben erst macht ja, was wird. Oder nicht.] 

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Preps, and milk, and apple juice

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Es sind noch ein paar Tage, aber es fängt noch immer damit an, dass man Milch kauft für andere und Apfelsaft; und das richtige Blau für sich selbst. Ich zähle zurück, bis 2001, dem Jahr, als wir die Liebe für immer begruben, dem Jahr, als aus Blogs Menschen wurden, dem Jahr, als wir unsere Unschuld verloren. Aber das war später, das war September, jetzt ist erst Juni und mein Geburtstag immer eine Beerdigung. Als du endlich hier warst, warst du todmüde und schliefst ein und die Katzen lagen auf deiner Brust und ich saß zu deinen Füßen und weinte so leise wie möglich und ließ die anderen Gäste nicht ins Haus.

Es hat sich nicht viel geändert. Nur die Katzen sind verloren gegangen; und der Garten, der Apfelbaum, das wilde Gras, die Brombeerinsel, die Schneeglöckchen, die Kirsche, meine Rosen, Sutter’s Gold, der Efeu. All of it. Ich kaufe mir Kräuter auf dem Markt statt Blumen und wünsche mir nur eins: Wieder so essen zu können wie damals, als wir Katzen waren und Liebeslieder und tausend Geschichten unter einem blutroten Mond.