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[living by numbers]

Light of Other Days

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Es sollten Dinge fürs Büro werden. Aber dann wurden es kleine Tiere, die spielen wollten, etwas zum Streicheln.

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Alles wird immer etwas zum Berühren, zum Streicheln, wenn man es nur lange genug betrachtet. Das ist die eigentliche Gefahr.

Alles wird zu Liebe, sobald Glas zwischen uns ist.

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Ich wate durch die alten Geschichten. Fast hätte ich sie alle verloren. Ich fische die Wörter heraus, die sich noch immer keiner neu ausgedacht hat.

Mein alter Kompassmond.

Wie er sich wehrt; als würde ich versuchen, einen Schmetterling aufzuspießen. Ich habe andere Zeichen. Ich sammle Glas und Geschichten. Ich lasse ihn los.

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Die alten Texte lassen mich nicht los. Ich habe sie fast alle vergessen.

Ich werde niemals Ordnung schaffen in ihnen.

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Der Versuch einer Ordnung: Die Märchen. Die kurzen Texte. Wir haben so viel getwittert damals und wussten es nicht.

Heute gibt es für alles einen Namen, ein Format.

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Texte, die man nicht mehr lesen darf, nicht kurz bevor man den anderen trifft. – Wir sind besser als unsere Texte. Wir haben es geschafft; wir haben uns auf die andere Seite gerettet. Trotzdem. Wie sicher ist sicher. Are we ever real?

[Slow Glass]

Andere Texte, die man immer wieder lesen muss, damit das Mitleid nie Überhand gewinnt.

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Dann stirbt wieder eine. Sechs tote Schwäne machen einen Bruder nicht lebendig.

[Dass man immer einen am meisten liebt. Und den anderen nicht verzeiht.]

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Wir sind die letzten unserer Art. Wir trauern ohne Blumen.

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Ich spiele Schneewittchen und bringe alles durcheinander. Es ist die falsche Geschichte; sie sind sich alle so ähnlich. – In meiner gibt es Vögel. – Aber in beiden gibt es Blut.

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Ich muss aufhören, im Kreis zu schreiben. Es führt nirgends mehr hin.

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Ich muss überhaupt aufhören zu schreiben, denke ich. Jede Nacht.

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Rüben & Rosen

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Ich wünsche mir meine Linsengerichte zurück und scheitere zum dritten Mal. Der Versuch ist das Glück; sind die Farben. Das Röcheln nachts das Muster. Schreib es auf, halt es fest, mal dir das schönste Zeichen auf die Stirn und dann leg es weg.

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Steckrüben sind leichter. Hier ist das Land der Rüben und Rosen. Dann eben so.

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Ich singe das Lied des Rosenkohls. Es sind kalte Tage. Rosenkohl weiß, wie man sich gegen Feinde schützt. Er ändert seine Muster.

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Wie immer alles mit einem reden will, sobald man sich ein einziges Bild davon macht.

– Friss mich nicht, Rosenkohl. Ich kann mir mein Mitleid nicht leisten.

Januaries last forever

 

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Manchmal glaube ich, dass ich nur noch aus Erschöpfung schreibe, um mich wachzuhalten. Um ein letztes Ich zu bleiben. Ich lösche so viel mehr, jeden Tag, als ich fassen kann. Ich fasse nichts mehr. Nichts zählt. Nichts gilt. Nur unsere Januargespräche.

Ich muss da durch, sagt sie, wie jedes Jahr, und sagt, sie wolle nicht darüber sprechen.

Es ist Januar, sagt sie, wie jedes Jahr um diese Zeit. Januar ist die Chiffre für alles. Januar ist Flucht ist Tod ist Grauen, sind die verlorenen Kinder vom Schwarzen Berg, die Mutter, die schon das weiße Lied singt, den Strick in der Hand, die Rettung in letzter Minute.

Wien hieß der Leutnant, der die Tür zum letzten Versteck öffnet. Ich weiß bis heute nicht mehr über ihn. Er konnte die Kuh schlachten, an der alle überlebten. Aber nicht das Fleisch braten. Das musste sie tun, das Kind im Dunkeln.

Januar ist der Monat, in dem wir schweigen. Alle sollten schweigen im Januar.

Wir sterben nicht im Januar. Wir nicht. Nicht wir. Wir gehen nur immer der Spur nach. (Ich schreibe diese Sätze jedes Jahr. Eines Tages werden sie für immer wahr sein. Man muss nur alles aufschreiben. Dann wird es eines Tages für immer wahr. Schreib, schreib, schreib. Dann kannst du nichts verlieren. Dann kann dir keiner. Nicht Eis, nicht Schnee, auch nicht der Januar.)

Januar ist der Monat, in dem die Liebe verloren ging. Es war ein Januar, der uns alle veränderte. Es ist immer Januar, wenn die Liebe verloren geht. Wie leicht alles wird, wenn man es in einer anderen Farbe oder Sprache fasst. – Januaries last forever. – Egal, wo wir auch beginnen, bei welchen Schmerzen auch immer; wir enden immer dort, im immer selben Januar. Er wird nie vorbei sein.

Ich wusste nicht, dass ihr die Beine erfroren sind auf der Flucht, als sie 14 war. Ich weiß so vieles nicht von ihr. Ich finde keinen Trost für uns, nicht für sie, nicht für mich, außer dem Zuhören. Ich bin so müde, dass ich nur noch weinen kann. Sie hört es nicht, mein Weinen. Es ist besser so. Ich habe meinen eigenen Januar. Ich würde ihn nicht teilen wollen. Es ist schon so lange her. Am Ende ist man ja doch Winter und eins. Nur Haut trennt so unsagbar und für immer.

Ich kann ihr nichts erzählen von der kleinen Holzstatue, die vor ein paar Tagen wieder aufgetaucht ist in Amerika, dem Stück Dankesholz von der Gustloff, denn dann weint sie nur wieder in der Nacht, und ruft nach den ertrunkenen Kindern und der großen und der kleinen Schwester und nach dir und all den anderen verlorenen Namen.

Die Toten träumen sich so schwer im Januar. Erst heute Nacht schwamm ich wieder über den See zu dir.

Squirrel on a hot tin roof

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Wie die Jahre verblassen. Angst ist eine Erinnerung. Zorn eine Flamme. Enttäuschung eine noch zu benennende Farbe.

Springen oder nicht? – Ach, Hörnchen, ich weiß es doch auch nicht.

Weißt du es nicht?

Ich habe in den Raunächten nichts geträumt, was ich nicht immer träume. Tote Vögel, tote Menschen, weites Meer. Es ginge mir gut. Wäre die Welt nicht. Es ginge der Welt besser. Wäre die Welt nicht. – Lasst uns über Krähen reden und Meisen und Rotkehlchen. – Lasst uns Freunde bleiben.

Andererseits. Ist die Welt nicht [mehr] so. Jeder Satz kostet einen jetzt Menschen. Ich schreibe nur noch unsichtbare Texte, nächtelang.

Das neue Jahr ein so eiskalter Schnitt.

111 Tage ohne Worte, sagen die Blogrolls anderer. Herzgelöschtes gestern erst wieder. Dazu sagen sie nie etwas. Es ist besser so. Es blutet ja auch nur schon wieder überall. – Es ist so lange her. Es war ja fast nie. Es ist jetzt nur wieder so sehr.

[It never happened. You are not them. These are different women. Different times. This is not you. Not anymore.]

Aber dann bin ich eben doch sie. Jedes Mal.

Ich verliebe mich in Nautilusrotoren. Maschinentiere. Hier möchte ich bleiben. Ich bin zu müde, die Bilder zu suchen. Als ob alles besser wäre mit Bildern. Aber was sonst bleibt?

Ich traue den Wörtern nicht mehr; meinen schon gar nicht.

Die Angst, immer, wenn es rechts unten schmerzt. Die letzte Stelle, in der es noch wachsen und wuchern kann. Außer dem Herzen.

Unthink. Unthink. Unthink.

Wenn ich mir Notizen machte, füllte ich den Weißraum schneller, vielleicht sollte ich … Aber es erscheint mir noch immer als Betrug. Muss es nichts so sein, das Schreiben, wie man Tiere fotografiert? – Man muss im Eis stehen, im Schlamm knien, in der Sommerhitze unterzuckern. Man darf nicht stehlen, nicht blitzen, nicht berühren ohne zu fragen; Tiere sind Menschen. Es gilt zu handeln, zu tauschen, zu warten. Jedes Bild ein Geschenk. Jedes Bild ein Geschäft. Der Lohn ist der Augenblick, das Zulassen, das Erkennen. Der Preis die Zeit. Es ist ein hoher Preis; man weiß nie, wie viel Zeit einem noch bleibt, ob man noch einmal zehn Jahre warten kann. Jedes Bild muss das letzte sein und atemlose, erste Liebe.

Schreiben ist ein Bild ist ein Wort ist ein Tier. Alles andere ergibt sich daraus. Wer notiert, betrügt. Es gilt immer nur das Jetzt. Wer auf Halde schreibt, hat es nicht anders verdient. Schreiben ist kein Handwerk. Handwerk schmerzt nie genug.

[Unbild: Mein Stapel blauer, leerer Notizhefte, die ich immer nur kaufe, weil sie so schön sind, in die ich nie etwas schreibe.] 

Heute morgen lag ein Satz neben mir. – Das Passiv ist ein kleiner Elefant.– Ich wusste nicht, wohin mit ihm. Also habe ich ihn mit in die Schule genommen. Ultimative und letzte Zuflucht Text.

T wie Text, T wie Tastatur, T wie Tanzen.

Vorlesungen halten, als schriebe man ein Luftweblog.

Dance with your slides.

Reden, als bloggte man.

So geht Sprechtext.

Andererseits: Weißraum immer noch für Weißraum halten. Immer noch alles verwechseln, alles falsch machen, nur weil es beschreibbar ist. Facebook ist kein Blog. Twitter war keine halbe Heimat.

Die Zurückeroberung des Rosenkohls. Nachrichten für niemanden.

You know nothing, Jon Snow.

22:00. Das iPhone klingelt. Nachtinsulin. Check, inject, correct. Der Tanz meines Lebens. Jeden Tag. Mehrmals am Tag. Bis ans Ende aller Tage. Ich möchte so gerne noch einmal eine Nacht vertanzen, vertrinken, verleben, verlieben ohne zu denken.

Aber ich würde sie ja nicht überleben, so eine Nacht.

Oder den Text dazu.

Once I was the cat among the pigeons; and I ate them all, and it was a good night. Once I was the cat who walked the night alone; and the night was dark and full of stars, and I knew all their names and all their stories, and I ate them all, and it was a good night.

That was then. This is not.

Also schreiblöschen wir weiter alles, was nicht ist.

Es ist ja auch nichts. Nur die Welt.

Happy New Year, World.

White rapids #Year10

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The images are from ten years back. Late September 2005. The night before my T1 diagnosis.

It was a small, cheap Olympus, and I can tell. How proud we are, when we take our first steps. How safe. How blind. How presumptuous. How beautiful. How innocent. How lost. How much I love you, kiddo. For all that you did not know. When you thought it was all about hearts.

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Then, I was just beginning to learn how to see. The next day, I would be learning how to walk all over again.

Ten years over and gone in a blink. It was all golden leaves the night before. I was so proud of every take.

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Then the owl called my name. Then I lost my vision for a while. Then the crows came and saved me.

I save myself, ever since; every day. I gave up relying on anyone else that day ten years ago. I am my own vortex.

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Maybe you love me, or maybe you don’t. It does not matter anymore. You can’t help me. Not in the dark. Sometimes I call you, when it’s over. When it does not matter so much anymore. We can still make each other laugh. We are such wonderful fair-weather friends.

She told me a funny story and I taught her a song. A song about monkeys and elephants. And it made us laugh so hard we couldn’t sing.

I just keep forgetting if I am the elephant, or the monkey, or the song, or you, and what Rachel would say.

But I always pull my blinds. Here.

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Sometimes I wait a little with the saving. Just to see what not being saved feels like.

It is one hell of a deal, not saving yourself as you are supposed to.

All your scary movies traded for one song. Because one song is all you get. If you are lucky. [But I am. I am Lady Luck. I am so damn lucky.]

When the tides start crashing. When the sands suck you in. When you lose ground. And grab on to text.

[Write and delete, save and restore, cling to each other until next time.]

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But those thirty minutes – if at all, if you are lucky, like me – of total bliss when a rapidly but perhaps not dangerously rapidly dropping blood sugar finally allows music back in. After weeks. For one lingering ocean bright blue moment. No more brittle, breaking, dry, rattlesnake skin. No more numb mind. Just. Sound. Only. Colour. And it can’t be loud enough. Nothing can be loud enough. Those thirty minutes. Of utter bliss. You wish. You wish. Ah, you wish.

Bring me that horizon, bring me that noise.

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Before the ultimate and primal fear sets in. Again.

That utter, utterly unasked-for will to survive.

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Water falling blues. Cascading whites. Fading. Everything. To nothing. Neglecting this world. Drowning. Out. Everything.

Every. Single. Voice. But one. This one right now. Tori’s right now. It is often her. Now.

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This is not really happening.
You bet your life it is.
You bet your life it is.
You bet your life it is.

That is when it’s all worth it. When you end on the right song.

And then you reach for those damn glucose tablets; because that’s all that matters. And you turn off the music like a good girl for you need to think clearly now, and you count carbs, and you count time time, and it is all safe, and all oh so quiet, again.

Until next time.

Sometimes I cannot wait for it to happen.

Rabbit, where’d you put the keys, girl?

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